Heinz Mariacher erhält Paul-Preuss-Preis - Alpinseele

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Heinz Mariacher erhält Paul-Preuss-Preis
August 2020

Zur Person:
Der Österreicher Heinz Mariacher ist einer der ganz großen Kletterer, der wie kaum ein Zweiter verstanden hat, die Akzente des Sportkletterns mit den Werten des traditionellen klassischen Freikletterns etwa eines Hias Rebitsch zu vereinen und in die neue Zeit zu führen.
Am 4. Oktober 1955 in Wörgl bei Kufstein geboren eroberte sich Mariacher schon als Kind die Bergwelt. Mit 12 Jahren wagte er sich bereits an seine erste Alleinbegehung im V. Grad. Zu Beginn der 1970er-Jahre dann ging es richtig los. Bald fiel der Tiroler durch herausragende Allein- und Erstbegehungen auf, schaffte etwa im Wilden Kaiser die Rebitsch-Risse an der Fleischbank im Alleingang, eröffneter an der Lalidererspitze-Nordwand die Route „Charlie Chaplin“ oder wiederholte solo die „Cassin“ an der Westlichen Zinne Nordwand.

Ein Kletterkönner, ein Aktiver, der sich auf der Basis seiner Leistungen geradezu aufgefordert fühlen musste, mitzudenken und mitzureden, um schon 1980 mögliche neue Sackgassen und Fehlentwicklungen im Sportklettern aufzuzeigen. Er wollte die Werte des alpinen Kletterns in großen Wänden gewahrt sehen und stellte sie dem damaligen Big-Wall-Climbing im Yosemite mit all seinem technischen Aufwand gegenüber. Das Klettern ausschließlich auf die zu perfektionierende Technik von Bewegungsabläufen zu reduzieren bot die Gefahr einer neuen Sackgasse. Heinz Mariacher war damals mit der Kritik seiner Zeit voraus.
© Archiv Heinz Mariacher
Die Marmolada-Südwand wurde „seine“ Wand. Dort hat er durch mehr als zehn anspruchsvolle Erstbegehungen, Wiederholungen schwierigster Routen und Alleinbegehungen gezeigt, was im Sportklettern damals schon möglich war. Mit seiner Route „Moderne Zeiten“ (1982) an der 800 Meter hohen Marmolada di Rocca-Südwand markierte er in absoluter Vollendung eine neue Dimension im alpinen Freiklettern. Diese Erstbegehung war bahnbrechend. Heinz Mariacher und seine Lebensgefährtin Luisa Jovane fanden eine Linie mit Schwierigkeiten im oberen VII. Grad, auf der sie  27 Seillängen ohne technische Hilfsmittel klettern konnten. Auch die Standplätze wurden aus der Kletterstellung und nur an natürlichen Punkten eingerichtet. Sensationelle auch die erste Rotpunktbegehung des „Weg durch den Fisch“ (1987) – mit diesen beiden Marmolada-Routen setzte Heinz Mariacher Marksteine des Alpinismus!

Früh entschloss sich der gelernte Vermessungstechniker, Bergführer zu werden. Darüber hinaus brachte er sein ganzes Wissen auch in die Entwicklung und Vermarktung von Kletterschuhen ein und ist in diesem Bereich heute noch aktiv und überaus erfolgreich. Schon lange lebt Mariacher zusammen mit Luisa Jovane am Karerpass in den Dolomiten. Die beiden bildeten über Jahre ein erfolgreiches Team in den extremen Routen. Im Laufe der Zeit entdeckte der Österreicher dann auch das Sportklettern in kürzeren, gut abgesicherten Routen für sich. Er kreierte zahlreiche Klettergartenführen in den oberen Schwierigkeitsgraden und wurde einer der wichtigsten Erschließer im Felsgebiet von Arco. Mit „Kendo“ gelang Heinz Mariacher 1986 die erste Xer-Tour in Italien und, wie er selbst sagt, die wichtigste Tour seiner Sportkletterkarriere. Sicher zählte er zu den vielseitigsten Kletterern seiner Generation.
Später faszinierten Mariacher außerdem das Drachenfliegen und Snowboarden der härteren Art, aber auch der Golfsport.
© Archiv Heinz Mariacher
In der Geschichte des alpinen Kletterns gab es viele sehr gute Felsgeher. Ausnahmekönner, die, hineingestellt in eine Wand, mit dem Berg zu verschmelzen schienen. Und unter ihnen eine Handvoll, die noch herausragten, nicht nur wegen ihrer zahlreichen Erstbegehungen in höchsten Schwierigkeitsgraden – nein, vor allem wegen ihres Stils und ihrer Ethik. Sie bewahrten und entwickelten weiter. Dabei wollten sie den Kern des Alpinismus geschützt sehen, das Abenteuer, das selbstverantwortliche Tun im Risiko, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Selbstbetrug. Frei klettern, frei denken und sich frei fühlen waren die Leitmotive ihres Daseins am Berg. Ganz ohne Zweifel gehört Heinz Mariacher dazu, er darf und muss als wichtigster Pionier des alpinen Sportkletterns betrachtet werden!

Heinz Mariacher führte das große Freiklettererbe eines Hias Rebitsch, mit dem er sich geistesverwandt fühlte, in die neue Generation. Seine großartigen Erstbegehungen zeugen nicht nur von seinem enormen Kletterkönnen, sondern setzten in einmaliger Melange die Freiklettertradition klassischer Schule im modernen Freiklettern fort.
Heinz Mariacher
© Archiv Heinz Mariacher
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